Was brauchen Kinder, um sicher aufzuwachsen? Und wie schützen Fachkräfte Kinder wirksam, ohne ihre Rechte und ihre Stimme aus dem Blick zu verlieren? Um diese Fragen ging es beim Fachtag „Kinder vor Gefahren für ihr Wohl schützen – Kinderrechtssensibler Kinderschutz“ am Dienstag, 22. September 2026, in der Festhalle Schötmar. Die Stadtverwaltung Bad Salzuflen hatte das „Netzwerk Kinderschutz“ dazu eingeladen. Neben Fachvorträgen gab es viel Raum für Austausch, gemeinsames Nachdenken und das Lernen voneinander.
Viele Orte, viele Blickwinkel
Polizei, Kitas, Schulen, Beratungsstellen und Jugendamt: Kinderschutz findet an vielen Orten statt. „Entsprechend vielfältig sind die Erfahrungen und Perspektiven der Fachkräfte“, sagte Organisatorin Anke Hütte von der Koordinierungsstelle Kinderschutz im städtischen Jugendamt. Diese Blickwinkel wurden für die rund 40 Gäste zusammengeführt. „Unser Ziel war, eine Herangehensweise für alle beteiligten Organisationen, Institutionen und Behörden zu finden, um Kindern einen wirksamen Schutz bieten zu können“, so Hütte. Kinderrechtssensibler Kinderschutz bedeute auch, Kinder als eigenständige Träger von Rechten wahrzunehmen. „Dafür haben wir Maßnahmen erarbeitet, wie das auch in schwierigen Situationen gelingen kann.“
Schutz und Beteiligung gehören zusammen
Prof. Dr. Jörg Maywald beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, wie Kinderrechte umgesetzt und Kinder geschützt werden können. Beim Fachtag ging er der Frage nach, wie beides zusammenpasst. „Ein Kind, das geschützt werden muss, ist gleichzeitig ein Kind mit eigenen Rechten“, sagte Maywald. Dazu gehöre das Recht, gehört und beteiligt zu werden. „Seine Meinung muss entsprechend seinem Alter und seiner Entwicklung berücksichtigt werden.“ Das gelte besonders dann, wenn Erwachsene über Hilfen, Schutzmaßnahmen oder weitreichende Eingriffe in das Leben eines Kindes entscheiden.
Es gehe dabei nicht um ein Entweder-oder. „Vielmehr sollen beide Perspektiven miteinander verbunden werden“, erklärte Maywald. Fachkräfte stünden im Kinderschutz oft vor schwierigen Lagen: „Es müssen Risiken eingeschätzt, Beobachtungen eingeordnet, Gespräche geführt und Entscheidungen getroffen werden – oftmals unter erheblichem Zeit- und Handlungsdruck.“ Gleichzeitig müsse man die Sicht des Kindes wahrnehmen und seine Rechte achten.
Drei Jahre Netzwerk Kinderschutz
Seit drei Jahren arbeiten im „Netzwerk Kinderschutz“ verschiedene Berufsgruppen zusammen. Sie wollen die Zusammenarbeit stärken, ihr Wissen bündeln und verlässliche Strukturen für einen wirksamen Kinderschutz weiterentwickeln. Der Fachtag hat diese Arbeit fortgesetzt, mit einem Blick, der über die reine Einschätzung von Gefahren hinausgeht. Anke Hütte fasste es am Ende so zusammen: „Kinder sollen sicher sein. Und sie sollen mit ihren Rechten, ihren Bedürfnissen und ihrer eigenen Stimme gesehen werden.“
